Pflegestufe, Pflegegrad, Pflegewas?

Als wäre die steigende Pflegebedürftigkeit eines geliebten Menschen nicht schon genug, finden sich viele auf der Suche nach Unterstützung im reinsten Dschungel an Regelungen und Begriffen wieder.

Wir wollen etwas Licht in diesen Pflegedschungel bieten und allen Beteiligten und Betroffenen die Angst nehmen, denn in erster Linie geht es hier darum die häusliche Pflege zu unterstützen und zu entlasten.

Aber von Beginn an: Pflegestufe oder Pflegegrad?

Am 01. Januar 2017 wurden im Zuge des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes die fünf Pflegegrade eingeführt, damit wurden das bisherige Konzept der drei Pflegestufen abgelöst. Pflegegrade, Pflegestufe sagt mir alles nicht?

Mit den Pflegegraden werden die Pflegebedürftigen in fünf unterschiedliche Schweregrade eingeteilt.

Stand 03.04.2020

Je nach vorliegendem Pflegegrad haben Sie einen gesetzlichen Anspruch auf finanzielle Unterstützung:

Stand 03.04.2020

Wie komme ich an Unterstützung?

Um Unterstützung für die Pflege eines Angehörigen zu erhalten, lohnt es sich bewusst zu machen, wer dem Gesetz nach eigentlich als Pflegebedürftig gilt:

Für eine Pflegebedürftigkeit müssen folgende Bedingungen gegeben sein:

  • In einem Zeitraum von mindesten 6 Monaten:
  • Ist die Person durch gesundheitliche Beeinträchtigungen in seiner Selbstständigkeit und Fähigkeiten eingeschränkt
  • auf die Hilfe von anderen angewiesen
  • Kann die Person körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbständig kompensieren oder bewältigen

Woher weiß ich, ob mein Angehöriger schon pflegebedürftig ist und welchen Pflegegrad er hat?

Keine Sorge, dass musst du nicht selbst herausfinden. Dafür ist nämlich, egal ob bei privat oder gesetzlich Versicherten, die verantwortliche Pflegekasse zuständig. Dazu stellst du einen formlosen Antrag oder rufst bei der für deinen Angehörigen zuständigen Pflegekasse an.

Tipp: Manche Krankenkassen haben bereits vorgefertigte Anträge auf Ihren Websites, das Formular der AOK Bayern kann man z.B. direkt hier runterladen und ausfüllen.

Hast du den Antrag eingereicht, meldet sich ein Mitarbeiter des medizinischen Dienstes der Krankenkassen – kurz MDK bei dir und vereinbart einen Termin, bei dem er sich vor Ort ein Bild von eurer persönlichen Situation macht. Dazu stellt er deinem pflegebedürftigen Angehörigen und dir eine Reihe von pflegerelevanten Fragen.

Kann ich mich auf den Termin vorbereiten?

Auf jeden Fall, es lohnt sich z.B. bereits vor dem Termin Notizen zu machen, in welcher Form und wie oft dein Angehöriger Hilfe benötigt. Mach dir Gedanken darüber, wo es Probleme mit der Pflege oder Versorgung gibt, stelle dir außerdem alle Dokumente zusammen, die den Pflegebedarf und Gesundheitszustand dokumentieren, z.B.:

  • Medikationsplan oder aktuelle Medikamente,
  • Berichte vom Hausarzt
  • Krankenhaus und Rehaentlassungsberichte,
  • Pflegedokumentation des ambulanten Pflegedienstes (falls eine bestehende Einstufung neu überprüft werden soll)

Wie läuft der Termin ab?

In einem Gespräch stellt ein Mitarbeiter des MDK fest, wie selbständig dein Angehöriger den Alltag bewältigen kann und welche Hilfsmittel eventuell benötigt werden, um die Selbstständigkeit widerherzustellen oder zu erhalten.

Und was ist, wenn mein Angehöriger Demenz hat?

Auch in diesem Fall spricht der MDK zuerst mit deinem Angehörigen, danach werden die Ergebnisse mit dir als Pflegeperson besprochen.

Schau dir dazu auch gerne den persönlichen Erfahrungsbericht in unserem Blogbeitrag: Pflegestufe beantragen: Ist es denn schon schlimm genug?

Wie geht es weiter?

In der Regel dauert es bis 25 Werktage vom Zeitpunkt der Antragstellung bis zum Ausstellen des Gutachtens und der Ermittlung des Pflegegrads.
Schon vor dem Termin mit dem MDK hast du außerdem die Möglichkeit dich von deiner Pflegekasse zu den Leistungen aus der Pflegeversicherung und Organisation der Pflege beraten zu lassen. Innerhalb von zwei Wochen nach der Antragstellung sollte deine Pflegekasse dir dazu eine Pflegeberatung anbieten.

Gibt es da auch was in meiner Nähe?

Mittlerweile gibt es zahlreiche Angebote zu Beratung von pflegenden Angehörigen, auf der Website der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege können Sie nach Beratungsangeboten in Ihrer Nähe suchen.

Noch einfacher: Hol dir die Beratung direkt ins eigene Wohnzimmer. Auf der Informationsplattform mitpflegeleben wird neben umfangreichen Informationen zu den Themen Pflege, Wohnen, Versicherung und Finanzierung auch eine kostenlose digitale Pflegeberatung angeboten.

Bitte beachte, dass es aufgrund der Corona-Pandemie in einigen Bundesländern aktuell zu Einschränkungen des Services des MDK kommen kann. Dazu informierst du dich am besten bei deiner regionalen Dienststelle.

Autorin: Natalie Heckel
Marketing und Kommunikation bei der MOIO GmbH

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