Stürze im Alter: wie kann man vorbeugen?

„Jeder Mensch hat ein Risiko zu stürzen, sei es durch Unachtsamkeit oder bei einer sportlichen Betätigung. Über dieses alltägliche Risiko hinaus gibt es Stürze, deren Ursache im Verlust der Fähigkeit zur Vermeidung eines Sturzes liegt.“
(Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege, 2013)

Mit anderen Worten: ältere oder gesundheitlich beeinträchtigte Menschen fallen schneller mal hin.

Wie kommt es zu dieser Sturzgefährdung?

Bereits geringe kognitive Einschränkungen beeinträchtigen die Kontrolle der Motorik und erhöhen das Risiko für Stürze und Verletzungen. Die Angst vor Stürzen führt häufig dazu, dass der Betroffene sich zurückzieht und durch Inaktivität versucht das Risiko zu vermeiden.

Lieber im Sessel sitzen und stricken oder TV schauen, als einen Spaziergang machen. Genau das macht aber alles nur noch schlimmer. Der Mobilitätsverlust erhöht die Unsicherheit und Stürze werden noch wahrscheinlicher. Und zack… ist man mittendrin im berühmten Teufelskreis.

Weitere Risikofaktoren für Stürze sind:

  • Fortschreitende Muskelschwäche
  • Sturzhistorie
  • Sturzangst
  • Einnahme von Schlafmittel, Neuroleptika oder Antidepressiva
  • Verschlechterte Sicht
  • Unruhe
  • Schmerzen
  • Hunger bzw. Durst
  • plötzlicher Toilettengang
  • Langweile oder Einsamkeit

Meistens kommen mehrere Risikofaktoren zusammen.

Was sind die möglichen Folgen von Stürzen im Alter?

Glücklicherweise führt nicht jeder Sturz zu einer Verletzung, aber aufgrund der abnehmenden Knochendichte kommt es im höheren Alter vermehrt zu Knochenbrüchen. Ungefähr bei 10 % aller Stürze muss jedoch mit medizinisch behandlungsbedürftigen Verletzungen gerechnet werden, bei ca 5 % kommt es zum Oberschenkelhalsbruch. Die Hälfte aller Patienten mit Oberschenkelhalsbruch verstirbt innerhalb eines halben Jahres – meist durch Komplikationen, die auf die lange Phase der Immobilität zurück zu führen sind.

Für Menschen mit Demenz sind Hüftfrakturen besonders schwerwiegend, für sie steigt das Risiko einer Heimeinweisung signifikant, außerdem sind ihre Heilungsaussichten niedriger, als die Gleichaltriger.

Also am besten, es fällt erst gar keiner hin. Ausgeschlossen werden kann ein Sturz sicher nicht, aber es gibt doch die Möglichkeit das Risiko zu minimieren.

Wie kann ich Stürzen vorbeugen?

Sturzrisiko erkennen
Stürze enstehen meistens aus dem Zusammenspiel mehrerer Risikofaktoren (siehe oben). Deshalb ist es besonders wichtig, das Sturzrisiko frühzeitig zu erkennen. In vielen Pflegeheimen wird dazu eine sogenannte Sturzanamnese durchgeführt.

Für die Ganganalyse Zuhause kann man sich von einer App helfen lassen. Der Mobilitätstest funktioniert ganz einfach: App runterladen, mit dem Handy ein kurzes Video vom Gang machen, Fragen beantworten und Ganganalyse erhalten. Mehr dazu z.B. auf der Website von Lindera.

Motorisches Training
Es ist außerdem essentiell, aktiv zu bleiben und nicht weiter Muskelmasse abzubauen. Regelmäßig durchgeführtes Kraft- und Gleichgewichtstraining erhöht die Gangsicherheit.
Die Enkel müssen trotzdem nicht auf Ihre Häkelmützen verzichten. Aber das richtige Herz-Kreislauftraining sollte nicht zu kurz kommen, denn es verbessert die Gehirnstruktur und steigert Gehirnfunktionen wie Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit. Schadet ja auch nicht, wenn man beim Maschenzählen nicht mehr durcheinander kommt und bei Herrn Jauch erfolgreich mitraten kann, oder?

Mobilität beugt Stürzen vor
Auf geht´s, an die Luft! Regelmäßige Bewegung hält den Körper in Schwung.

Sicherung des Wohnumfeldes und Beseitigung von Sturzfallen
Das Wohnumfeld sollte auf mögliche Sturzfallen überprüft werden. Durch Anpassungen wie das Anbringen von Haltegriffen, oder das Austauschen des Bodenbelags kann das Sturzrisiko vor allem für Senioren in der eigenen Häuslichkeit gesenkt werden.

Vorbeugung durch unterstützende Technologien: gibt es dafür denn keine App?

Besonders nach längeren Phasen des Liegens, z.B. nachts sind Menschen mit Demenz und/oder eingeschränkter Mobilität besonders sturz-gefährdet. Geeignete Sensoren können über eine App den Pflegenden in dem Moment benachrichtigen, in dem sich der Gepflegte in seinem Bett aufsetzt.
Dadurch hat der Pflegende die Möglichkeit, schnell Hilfestellung zu geben und damit einen möglichen Sturz zu vermeiden. 
In unserem Beitrag zu Hinlauftendenzen wurde auch bereits die Möglichkeit der aktiven Ortung über GPS und das Einrichten virtueller Zonen vorgestellt. Mit deren Unterstützung kann ein Patient mit Demenz seinen Bewegungsdrang besser ausleben. Damit beugt er Immobilität vor, eine der Hauptursachen für Stürze.

Ist es doch einmal zu einem Sturz gekommen, gibt das gleiche System eine Benachrichtigung mit der genauen Position des Gestürzten an die App. So kann schnell Hilfe geleistet, unnötig lange Liegezeiten und Druckgeschwüre vermieden werden.

Autorin: Natalie Heckel
Marketing und Kommunikation bei der MOIO GmbH

QUELLEN:

  • Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (Hrsg.): Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege – 1. Aktualisierung 2013 Schriftenreihe des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege. Osnabrück, S.20.
  • Gietzelt, M. et al (2014). Bestimmung des Sturzrisikos bei dementen Menschen: Ein alltagsbegleitender Ansatz der accelerometrischen Ganganalyse. 10.3205/14gmds030.
  • Aizen, E. Harefuah. 2015 May;154(5):323-6, 338.
  • Age and Ageing, Volume 40, Issue 1, 1 January 2011, Pages 49–54, https://doi.org/10.1093/ageing/afq146
  • Freiberger, E. Aktuelle Ernährungsmedizin (2015) 40(S 01): S20-S22 DOI10.1055/s-0034-1387504
  • Deutsches Ärzteblatt (19.01.2012). Antidepressiva erhöhen Sturzrisiko von Demenzkranken. (letzter Aufruf am 29.03.2018)
  • Freiberger, E. Internist (2018) 59: 316.
  • Robert Koch-Institut (Hrsg) (2015) Gesundheit in Deutschland. Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gemeinsam getragen von RKI und Destatis. RKI, Berlin, S. 418)

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